Egweil (hpg) Für einen Abend war Egweil beinahe der kabarettistische Mittelpunkt Bayerns. Der Egweiler Frauenbund wollte Kabarett und Kleinkunst nicht der Anonymität der Großstätte überlassen und hatte Lizzy Aumeier zu einem Gastspiel nach "Öwe" eingeladen. Vor einem voll besetzten Saal präsentierte die Künstlerin ein Programm, das die Besucher nicht nur zu Beifallsstürmen hinriss, sondern allen noch lange als herausragendes und einmaliges Erlebnis in Erinnerung bleiben wird. Das "Boxenluder" zog alle Register ihrer Fähigkeiten und begeisterte durch ihre markigen Sprüche, ihre Mimik und Gestik, aber auch durch ihre Musikalität, die sie auch professionell erlernt hat.
Sie frotzelte und ulkte über alles Menschliche und machte vor nichts halt. Besucher in der vordersten Reihe wurden zur Mitarbeit gefordert. Aumeier präsentierte sich wie gewohnt als Energiebündel, das mit scharfer Zunge verbal um sich schlägt, und auch in Rückenlage oder auf allen vieren kein Blatt vor den Mund nimmt. Skandalös, respektlos, aber auch erfrischend räumt sie mit allen bekannten Vorurteilen auf.
Die "Oberpfälzer Fehlpressung" der Barbie-Puppe, wie sie sich nennt, dokumentiert, dass ihr Programm nicht männerfeindlich ist. Sie habe nichts gegen Männer, sie seien eben nun mal da, so wie alkoholfreies Bier oder die Pest. Sie lobte ihre Häuslichkeit, da sie sehr wohl zwischen schmutziger und noch tragbarer Wäsche unterscheiden können. Sie hob die historisch begründete Selbstsicherheit des männlichen Geschlechts hervor: Schon Moses lief ewig durch die Gegend - welcher Mann frägt schon nach dem Weg?
Aumeier räumt auch gnadenlos und offenherzig mit dem Jugendwahn, Schönheit aus der Retorte und Mittelchen aller Art auf. Sie träumt auch nicht von ausgemergelten, halb verhungerten Blondinen. Ihr mehrlagiges Kleid, ein Traum aus dem 19. Jahrhundert, betont ihre anschmiegsame Figur.
Ihr schwarzes sexy Etwas rückt sie besonders im Liegen in ein aufreizendes Licht. Dazwischen schiebt sie ihre Oberweite immer wieder in die richtige Position. Auf allen vieren robbte Aumeier über die Tische und fragte nach eingehender Betrachtung von Bürgermeister Wunibald Koppenhofer, ob er seine Schuhe bei Deichmann kaufe. Sie glaubt auch, dass er nicht im Urlaub war, sondern auf Reha.
Peinlichkeiten sind der Aumeier fremd. Besonders wenn sie über ihr Liebesleben spricht. Denn Persönlichkeiten habe sie alle gehabt und auch in ihren bemerkenswerten Details der Öffentlichkeit preis gegeben. Mit Vegetariern steht sie im Zwiespalt, denn eigentlich ist es egal, ob man Tiere direkt tötet oder ihnen das Futter wegfrisst. In zwei Zugaben tobte sie zu Hardrock über die Bühne und wehe, die Besucher stimmten nicht in die Ausgelassenheit dieser Musik ein. Ihre scharfe Stimme forderte unmittelbare und engagierte Beteiligung, und der Ruf verhallte nicht ungehört.