Im EICHSTÄTTER KURIER ist zu lesen, dass Bürger behaupteten: „Gestern war der Räuber Kneißl in der Stadt“. Es war ein Gerücht. Große Aufregung gab es auch in Egweil. Ebenso entsprang der Fantasie der verängstigten Bevölkerung die Behauptung: „In Gaimersheim hat der Kneißl einen Bauern erschlagen.“ Der königliche Assessor Dr. Karl vom Bezirksamt Eichstätt ließ im Amtsblatt veröffentlichen, dass gegen den „ledigen Müllersohn Mathias Kneißl von Unterweikertshofen wegen Mordes u. a. Voruntersuchungen laufen“. Auf seine Ergreifung wurde am 17. Januar 1901 die gewaltige Summe von 1000 Mark Belohnung ausgesetzt. – Unterweikertshofen liegt im Landkreis Dachau.
Mathias Kneißl wurde am 12. Mai 1875 geboren und war das Kind armer Wirtsleute. Mit 16 Jahren kamen er und sein Bruder schon mit dem Gesetz in Konflikt, Mathias wurde gar über fünf Jahre eingesperrt. Danach arbeitete er als Schreiner, wurde entlassen und begann seine Raubzüge. Meist wilderte er und überfiel Einödhöfe.
Die beiden Eichstätter Zeitungen, EICHSTÄTTER KURIER und Volkszeitung, berichteten ausführlich über das Treiben des Räubers Kneißl. Die Bevölkerung wurde per Fahndungsplakat um Aufmerksamkeit gebeten. Abgeordnet wurde auch ein Eichstätter Gendarm, um an den Streifen durch die Bezirke teilzunehmen. Die Eichstätter Gendarmeriestation befand sich um das Jahr 1900 in der Webergasse. Laut Adressbuch von 1907 machten in der Station Dienst: Wachtmeister Johann Mühlfeld, Vizewachtmeister Friedrich Kattinger und die Gendarmen Philipp Schertl, Georg Wendinger sowie Georg Windisch. Wer von ihnen auf Räuberjagd befohlen worden war, ist den Zeitungsberichten nicht zu entnehmen.
Am 6. Dezember 1900 meldeten die Blätter: „Dem Gendarmen Scheitler wurde ein Bein amputiert, das von einem Schuss Kneißls getroffen worden war.“ In großer Aufmachung schilderten die Eichstätter Zeitungen am 14. Dezember 1900 von Anzeigen, wonach der Räuber in Eichstätt und in Landgemeinden gesehen worden sei. Besonnene Mitbürger beruhigten aber und meinten, Kneißl werde sich schwerlich hier aufhalten, wo er keine möglichen Schlupfwinkel kenne. Die Eichstätter befürchteten, „dass jetzt zur Weihnachtszeit das Geschäftsleben durch diese Besorgnisse ganz empfindlich berührt wird.“ Bei den Streifen der Gendarmerie waren bis 80 Schutzleute eingesetzt.
Fast täglich liefen Nachrichten über den Aufenthalt Kneißls bei der Polizei ein. So soll er sich in Bertoldsheim bei Rennertshofen in einem Wirtshaus zwei Halbe Bier gegönnt und an die Hausmauer geschrieben haben: „Das war der Kneißl.“
Der Räuber Mathias Kneißl soll auch in Eichstätt und Umgebung
sein Unwesen getrieben haben, was aber nie bewiesen wurde.
Im Staatsarchiv Augsburg wird im „Akt Kneißl“ ein interessantes Protokoll aufbewahrt. Danach hütete am 4. Dezember 1900 der Bub Ludwig Lehenmeier bei Unterstall Gänse. Neben einem Streuhaufen sah er eine Person, die ein Gewehr hob und drei Mal in Richtung des Knaben schoss. Verletzt wurde er nicht. Der Unbekannte lief nach Egweil davon. Sofort wurde in der ganzen Gegend verbreitet: „Der Kneißl ist da!“. Die Gendarmerie vermutete aber, dass den gefährlichen Streich einige Burschen aus Egweil verübten, die sich in Neuburg aufgehalten hatten „und zur kritischen Zeit heim gingen“. Der Bürgermeister von Bergheim, Ledl, glaubte dagegen, dass ein Taglöhner aus Gerolfing die Schüsse auf den Buben abgab, der als Wilderer bekannt war. Herausgekommen ist nichts.
Erfolg hatten die Gendarmen am 17. Dezember 1900, als sie einen Dienstknecht aus Ochsenfeld im Zuge der Kneißl-Fahndung stellten. Er hatte seit Wochen Einbrüche begangen. Mehrere Bauern wurden festgenommen und ihnen wurde „Begünstigung des Mathias Kneißl“ vorgeworfen. Ein tatsächlicher Räubersgesell Kneißls war verhaftet und in Straubing vor Gericht gestellt worden. Als dieser einen Ausbruchsversuch unternahm, „wurde er sofort in Ketten gelegt“, wie es im Zeitungsbericht heißt.
Am Dienstag, 5. März 1901, sollte sich das Schicksal des Übeltäters erfüllen. Es stellte sich heraus, dass er in Geisenhofen (bei Fürstenfeldbruck) Unterschlupf gefunden hatte. 110 Gendarmen rückten an und begannen das Haus zu beschießen. Nach einer Stunde drangen 25 Polizisten in das Gebäude ein und konnten Räuber Kneißl, der einen Schuss in den Unterleib abbekommen hatte, überwältigen. Der Polizeiarzt verband ihn und ein Priester spendete ihm die letzte Ölung. Kneißl überstand die Verletzung. Vom 14. bis 19. November 1901 wurde gegen ihn vor dem Schwurgericht Augsburg verhandelt. Wegen zweier Morde, versuchten Totschlags, schweren Raubs und räuberischer Erpressung wurde er zum Tode verurteilt und am 12. Februar 1902 in Augsburg hingerichtet.