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Samstag, 19. Mai 2012
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Bericht aus dem ekbanner vom 13.04.2005 von Richard Auer

Vom Bettler in Kapuzinerkutte und einem Gasballon als Geisterspuk

Vor 200 Jahren wird im Kloster St. Walburg eine Handarbeitsschule eröffnet. Im Eichstätter Intelligenzblatt vom 20. April 1805 heißt es: "In dem abteilichen Frauenkloster St. Walburg wird den 6ten künftigen Monats May eine Anstalt eröffnet, worin der weiblichen Jugend alle Tage Nachmittags von halb 1 Uhr bis halb 3 Uhr (mit Ausnahme der Sonn- und Feyertage) unentgeldlicher Unterricht im Sticken, Nähen und andern nützlichen und schönen Arbeiten, verbunden mit Nachholungen der Religions- und Tugendlehren ertheilet werden wird."

Eltern und Lehrkräfte sind sich vor 150 Jahren in Eichstätt alles andere als einig über die Eckpfeiler der Pädagogik. Das zeigt folgende Veröffentlichung der königlichen Lokalschulkommission im Eichstätter Wochenblatt vom 4. April 1855: "Häufiger als jemals kommen die Fälle vor, dass die Eltern in die Schulzimmer sich eindrängen, um die Lehrer und Lehrerinnen wegen Bestrafung ihrer Kinder zur Verantwortung zu ziehen, ja selbst ihnen eine höchst unanständige Begegnung widerfahren zu lassen. Da die Lehrer und Lehrerinnen rücksichtlich ihrer Amtshandlungen nur den kgl. Schulinspektoren verantwortlich, und also den Eltern keine Rechenschaft schuldig sind, da ferner das Ansehen der Lehrer und Lehrerinnen der Schuljugend gegenüber aufrecht erhalten werden muss, die Zuredstellung der Lehrer aber eine Störung des Unterrichts zur Folge hat, so wird es den Eltern bei Geld- oder Arreststrafe verboten, sich zu obigem Zwecke in die Schulen zu begeben."

Einen kleinen Einblick in das kriminelle Potenzial in und um Eichstätt vor 125 Jahren gibt die Meldung über aktuelle Strafurteile des Amtsgerichts Eichstätt, die am 9. April 1880 in der Eichstätter Volkszeitung zu lesen ist und schwer nach "Königlich bayerischem Amtsgericht" klingt. Unter anderem heißt es: "Verurtheilt wurden: Ehegärtner Mathias, Wasenmeister (Abdecker) von Eichstätt, wegen unrichtiger Führung seines Buches über stattgefundene Wasenfälle, zu 10 Mark Geldstrafe; Merl Ludwig, Schreiner von Egweil, wegen Bettelns als verkleideter Kapuziner, zu 14 Tagen Haft. Freigesprochen wurde Krauß Joh., Dienstknecht von Rebdorf, wegen Unfug durch Necken eines Postens."

Workerszell erlebt vor 100 Jahren eine Sensation: Ein Heißluftballon landet nachts im Dorf. Die Eichstätter Volkszeitung berichtete am 25. April 1905: "Am Karsamstag ging in Workerszell nachts 11 Uhr 45 Minuten ein Luftballon nieder, der von dem Augsburger Verein für Luftschiffer - Abteilung Würzburg - um 7 Uhr 20 Min. in Würzburg aufgelassen worden war. In Workerszell war der Schrecken beim Niedergang des Ballons nicht gering. Das Ausströmen des Gases verursachte ein solches Getöse, dass alles aus dem Schlafe geweckt wurde und schaute, was denn plötzlich angekommen sei. Im Anfange glaubten die Leute an einen Geisterspuk und trauten sich an den Ballon nicht recht heran. Im Verlaufe von wenigen Minuten war das ganze Dorf vertreten. Die Luftschiffer nahmen im Orte Nachquartier und verpackten am Ostersonntag in der Früh um 7 Uhr unter der Beihilfe der Bewohner den "Bösewicht", der dann von dem Gastwirt Herrn Niefenecker mit einem Ochsenfuhrwerk an den Bahnhof Eichstätt gefahren wurde, von wo derselbe nach Augsburg transportiert wurde."

Fernsehen in den Niederungen des Altmühltals ist vor 40 Jahren nur mit modernster Antennentechnik gut möglich. Am 12. April 1965 hat der Eichstätter Kurier frohe Kunde: "Den Eichstätter, Mariensteiner, Rebdorfer und Wasserzeller Fernsehteilnehmern kommt heuer der Osterhase auf der Mattscheibe: Der neue Fernsehumsetzer, der den Empfang des zweiten Programms ermöglichen wird, ist bald vollendet. Mit dem 37,5 Meter hohen Mast, der unweit vom Hohen Kreuz aufgestellt wurde, hat Eichstätts höchster Punkt ein neues Wahrzeichen erhalten."

Vor zehn Jahren erschüttert ein Familiendrama Eichstätt und ganz Bayern. Am 21. April 1995 berichtet der Eichstätter Kurier, dass zwei Kinder aus Starnberg tot in einem Waldstück bei Tauberfeld gefunden worden seien, nicht weit von jener Stelle an der Bahnlinie, an der sich ihr Vater am 19. März vom Zug hatte überfahren lassen. Einen ganzen Monat lang hatte die Polizei mit riesigem Aufwand nach den Kindern gesucht, die Ermittler hatten schon bald vermutet, der von der Mutter getrennt lebende Vater habe sie mit starken Schlafmitteln getötet. "Die Geschwister lagen, als würden sie friedlich schafen, eng beisammen unter einem dichten Reisig- und Ästehaufen."